Die Reise des Highlanders #18: Mammutfell

Kapitel 18

Ich lasse meinen Blick einmal durch das Gelände schweifen. In 100 Meter Entfernung am Sumpfufer entlang erkenne ich einen leichten roten Schimmer zwischen großen Bäumen, der vielleicht von essbaren Beere herrührt. Halb nackt, halb schlammbedeckt bewege ich mich vorsichtig mit dem Schwert in der Hand in Richtung der roten Verheißung. Mein Ziel enthüllt sich tatsächlich als essbar. Es sind Johannisbeersträucher vollbehangen mit schönen roten Johannisbeeren. Ungeduldig breche ich einen Ast vom Strauch und setze mich auf den Boden. Grob entferne ich die kleinen Früchte vom Ast und schlinge sie gierig herunter. Der leicht säuerliche Geschmack fühlt sich herrlich an. Ich labe mich an den Beeren bis mein Magen endlich keine lauten Geräusche mehr zum Besten gibt. Eine Zeit lang sitze ich nur da und denke nach. Ich benötige Kleidung und gehe die alte Robe suchen. Ich folge meinen eigenen Spuren von gestern und entdecke Teile von blutigen Stoffklumpen in der Nähe des Ortes, an dem ich die Robe abgelegt hatte. Wie erwartet wurden durch den Blutgeruch wilde Tiere angelockt, welche sich mit Krallen und Zähnen an Ihrem Fundstück verewigten. Das größte der Stoffstücke reicht gerade aus um einen löchrigen Rock zu fertigen. Im Anschluss begebe ich mich zu den Überresten des Wollmammuts. Aasfresser hatten offensichtlich schon ihre Freude an dem toten Giganten. Ich benötige für die weitere Reise unbedingt eine Körperbedeckung, um bei der Wanderung durch das Wiesenland nicht zu erfrieren. Ich suche die Oberfläche des Mammuts nach einer großflächigen unbeschädigten Stelle ab und beginne das Fell vom Körper zu trennen. Mein Schwert ist nicht das optimale Werkzeug für diese anstrengende Arbeit. Ich verfüge nicht über die handwerkliche Perfektion eines Kürschners, aber oft genug habe ich in der Heimat zugesehen. Die vom Mammut abgetrennte Haut lege ich mit der Fellseite auf den Boden. Aus einem Knochen des Tieres erstelle ich ein simples Werkzeug zum Schaben. Damit entferne ich die Fleischreste von der Mammuthaut. Diese Arbeit ist noch mühseliger als die vorherige. Es ist schon später Nachmittag, als ich mit meinem Ergebnis zufrieden bin. Ich nehme das Fell, mein Schwert und die Werkzeuge und gehe wieder zurück zum Sumpf. Beim Sammeln von Ästen entdecke ich einen Teil des Morastes, der in einen überschaubaren See übergeht und nutze die Chance, um mich zu waschen, Ich grabe hier in Wassernähe ein kleines Loch für eine Feuerstelle. Über dem Feuerloch errichte ich aus den gesammelten Ästen ein Gestell, auf dem das Fell ablegt werden kann. Das Entzünden des Feuers entfaltet sich als langwierig und ich bin danach um zwei Blasen an den Händen reicher. Als Feuermaterialien verwende ich hauptsächlich nasse Hölzer, die viel Rauch entwickeln. Tagsüber habe ich drei kleine Fallen für Eichhörnchen eingerichtet. Ich habe zwar unterwegs immer wieder einige Waldfrüchte verspeist, aber mir gelüstet es jetzt, wo die Sonne untergeht, nach einem deftigeren Mahl. Hungrig ziehe ich los, um meine Fallen zu überprüfe. In einer steckt tatsächlich ein Tier, welches zu einem leckeren Abendessen zubereitet werden kann. Ich errichte eine zweite kleine Feuerstelle und entferne das Fell vom Eichhörnchen, bevor ich es kross brate. Nach einer weiteren Stunde entnehme ich das Mammutfell von Räuchergestell. Es riecht penetrant nach Rauch. Ich gehe runter zum Wasser und wasche das Fell hastig aus, um diesen Geruch zumindest grob zu entfernen. Die Luft im Wald wird immer kühler. Ich begebe mich schnell wieder zum Feuer und hülle mich in das noch nasse Fell. Hoffentlich sorgt die Flammenwärme für eine rasche Trocknung. Während ich daliege, wandern meine Gedanken schon zum nächsten Tag. Mit Bildern der weiten Wiesenlandschaft im Kopf schlummere ich ein.

 

 

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