Die Reise des Highlanders #14: Wolfsrudel

Kapitel 14

Ich zähle insgesamt 7 Wölfe. Der Größte, wahrscheinlich der Rudelführer, steht aufrecht und stolz vielleicht 50 Meter von mir entfernt und fixiert mich mit seinen wachen Augen. Fünf kleinere Exemplare schleichen über die Flanken durch das hohe Gras. Eine offensichtliche Zangenbewegung. Der siebte Wolf hat sich schräg hinter dem Anführer in das Gras gelegt. In Pergutar hatte ich schon früher mit Wölfen zu tun. Aber bei diesem Rudel erscheint mir etwas ungewöhnlich zu sein. Ich kann es nicht sofort benennen. Es ist mehr ein unterbewusstes Gefühl. Ausgelöst durch die die Bewegungen. Sie wirken auf mich deutlich träger als man erwarten würde. Ich greife meine fünf Speere, die ich an meinen Schlafbaum gelehnt hatte, und bewege mich langsam nach westwärts zum Waldrand.

Auf dieser Seite schleichen nur zwei Wölfe durch das Gras, die ich in den kurzen sichtbaren Momenten kleiner einschätze als ihre Freunde. Nach zehn Schritten knie ich mich zwischen die Stämme von zwei kleineren Bäumen und stoße mein Schwert vor mir in den Boden. Die Wölfe vor mir können mich jetzt nur noch frontal angreifen. Und der Rest des Rudels ist noch zu weit entfernt, um Unterstützung zu leisten. Ich blicke kurz zum Anführer hinüber. Unerwarteter Weise bin ich aber nicht mehr das Zentrum seiner Aufmerksamkeit. Vielmehr scheint er angespannt in die Richtung zu schauen, aus der er mit seinem Rudel hierhergekommen ist.

Mein Unbehagen wird durch dieses Verhalten nur weiter verstärkt. Für den Moment schüttele ich es aber ab, packe einen Speer, hole mit voller Wucht aus und lasse den angespitzten Stock mit einem zischenden Geräusch in die Richtung der nahenden Wölfe lossausen. Ein jaulendes Geräusch kündet von einem hoffentlich wirkungsvollen Treffer. Eine graubraune fellige Gestalt springt vor mir aus dem Gras. Scharfe weiße Zähne halten direkt auf mich zu.

In einer einzigen fließenden Bewegung greife ich den Schwertknauf mit beiden Händen, ziehe die Klinge in einer halbmondförmigen Bewegung nach oben, erwische dabei den angreifenden Wolf voller Wucht, sodass er mit einem Schmerzensgeheul noch vor mir zu Boden geht, vollführe eine gekonnte Drehung über meinen Standfuß und lass die Waffe mit voller Wucht auf den Schädel des Raubtieres niedergehen. In Erwartung eines baldigen Angriffs der weiteren Tiere drehe ich mich einmal um die eigene Achse und nehme eine Verteidigungshaltung mit hoch erhobenem Schwert ein.

Voller Überraschung stelle ich fest, dass inzwischen keiner der Wölfe mehr mit anpirschen beschäftigt ist. Der Anführer schaut weiterhin in die Ferne und wirkt für einen Wolf äußerst nervös. Die anderen haben alle angehalten und blicken ihn erwartungsvoll an. Auch der Wolf hinter dem Alphatier hat sich wieder aufgerichtet, wirkt aber sehr wackelig auf den Beinen. Ich kann es auf diese Entfernung nicht genau erkennen, aber er scheint verletzt zu sein. Insgesamt hat das Rudel schon vor dem Angriff einen erschöpften Eindruck bei mir hinterlassen. Ein hohes Aufheulen des Anführers bringt jetzt wieder Bewegung in die Meute. Die kleineren Wölfe entfernen sich jetzt von mir in Richtung Osten.

Der wackelige Wolf ist anscheinend verletzt. Jedenfalls zieht er sein rechtes Hinterbein im Laufen nach. Ich nehme leichte Erschütterungen des Erdbodens wahr. Der Wolf, den ich mit meinem Speer getroffen hatte, scheint nur leicht verwundet zu sein. In einem weiten Bogen um umgeht er jetzt er meine Position und schließt zu seinen Kameraden auf. In der Ferne entdecke ich jetzt etwas großes Braunes rasch näherkommen. Der Rudelführer schaut mich mit einem Blick an, in dem fast eine Art Bedauern über den Abbruch des Kampfes zu erkennen ist. Ein letztes Mal schaut er sich kurz in die Richtung des nahenden Neuankömmlings um, bevor er mit schnellen Schritten seinem Rudel hinterhereilt.

Der Boden bebt jetzt immer Stärker. Die heranheilende Kreatur ist jetzt klar zu erkennen. Es ist ein riesiger wütender Wollmammutbulle und er hält direkt auf mich zu.

 

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