Die Reise des Highlanders #13: Aufbruch

Kapitel 13

Die ersten Sonnenstrahlen durchbrechen die Blätterdecke des Waldes und wecken mich sanft aus meinem Schlummer. Vilius sitzt jetzt am Feuer. Anscheinend hatte er die letzte Feuerwache. Ich schlüpfe aus dem Zelt und geselle mich zu ihm. „Guten Morgen Vilius“, brummele ich ihm halb verschlafen zu.

„Guten Morgen Alister. Wie geht’s es deinem Bein heute?“ In Vilius Stimme ist erstaunlicherweise keinerlei Anzeichen von Müdigkeit zu erkennen.

„Die Schmerzen haben stark nachgelassen. Danke für die Behandlung.“ Ich setzte mich zu Vilius ans Feuer.

Eine Weile sitzen wir nur da und blicken in die seichten Flammen.

„Gestern erwähntet ihr das Gelios Hochland.“ fängt Vilius an. „Ungefähr 2 Tagesmärsche südlich von hier verläuft eine Handelsstraße. Wenn ihr dieser weitere drei Tage folgt, gelangt zu den östlichen Ausläufer von Gelios.“ erklärt er mir ohne dabei aufzublicken.

Ich gebe ein dankbares Brummen von mir für diese Information.

Vilius steht auf und geht zu einem Zelt. Er scheint im hinteren Teil kurz nach etwas zu suchen, bevor er sich wieder zu mir gesellt. Er wirft mir einen kleinen Beutel und ein simples Schwert vor die Füße. Ich schaue ihn verdutzt an.

Er zuckt leicht mit den Schultern. „Die Ebene südlich des Waldes ist von vielen gefährlichen Kreaturen bewohnt. Ich kann euch nicht guten Gewissens, nur bewaffnet mit einem angespitzten Stock, losziehen lassen. Davon ab kann von uns eh keiner gut mit diesem Schwert umgehen. Wir bevorzugen die kürzeren und schnelleren Klingen. Ist ne Familientradition, schätze ich.“ Er holt ein Stück Trockenfleisch aus einer Tasche, bricht es in zwei Hälften und wirft mir eine davon zu. Ich fange sie und verspeise das Stück mit einem Happs. „Und was ist mit dem Beutel?“, frage ich, als ich ihn aufhebe. Der Inhalt fühlt sich schwer an. „Eine kleine Bezahlung für eure Geschichte gestern. Man bekommt hier draußen nicht allzu viel Abwechslung, wisst ihr? Außerdem ist es doch traurig für einen Räuber, wenn er keine Beute machen kann.“ Er lächelt jetzt schelmisch. „Einem nackten Wanderer lassen sich schwerlich die Taschen lehren. Jetzt besitzt ihr immerhin ein wenig Gold für die nächsten Banditen, denen ihr in die Hände fallt.“ Er lacht leicht in sich hinein und steht kurz darauf auf. Sein Blick ist jetzt aber ernst. „Ihr solltet euch jetzt auf den Weg machen, Alister. Meine Brüder und ich haben heute noch eine wichtige Verabredung mit ein paar Freunden des Kardinals.“
Ich nicke ihm dankend zu und er dreht sich ab, um seine Brüder zu wecken. Ich nehme das Schwert an mich und verstaue den Beutel in meiner Robe. Mit einem letzten Gruß verlasse ich das Lager der Kaunas-Brüder Richtung Süden. Es dauert einen halben Tag, bis ich den Waldrand erreiche. Auch wenn Vilius meinen Speer belächelt hatte, nutzte ich das Schwert, um mir unterwegs fünf neue herzustellen. Im Wald erlegte ich damit dann auch einen Hasen und ein Eichhörnchen und konnte meinen Hunger stillen. Ebenso fand ich einige Beeren als Nahrungsergänzung und Feuersteine, mit denen bequem ein kleines Kochfeuer errichtet werden konnte.

Jetzt an der Grenze zum Wiesenland verzichte ich aber auf eine Lichtquelle, die möglicherweise Feinde auf mich aufmerksam machen könnte. Ich suche mir eine trockene und bequeme Stelle unter einem mächtigen Nadelbaum. Mit dem Rücken angelehnt betrachte ich noch eine Zeit lang die weite Ebene vor mir, bis ich einschlummere.

Ich werde urplötzlich durch das Geheul eines Wolfes aus meinem Schlaf gerissen. Sofort habe ich meine Hand an der Klinge des Schwertes und erfasse meine Situation. Ein Wolfsrudel scheint mich gewittert zu haben. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen aber die ersten Lichtschimmer sind schon am östlichen Horizont zu erkennen. Schemenhaft erkenne ich mehrere geduckte Körper, die über die Wiese schleichen. Ich stehe langsam auf und wappne mich. Ein ruhiger Tagesbeginn wäre ja auch zu langweilig.

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