Ein Abend im Kino: Dr Strange im Cinemaxx

In den letzten Jahren sind meine Besuche im Kino stark zurückgegangen. Die Gründe reichen von „zu wenig Zeit“ über „Kino ist zu teuer“ bis „die Qualität der angebotenen Filme ist nicht überzeugend“. Ein bunter Mix also. Nun war ich aber in den Besitz von zwei Gutscheinen für eine 2D-Vorstellung im Cinemaxx gelangt und beschäftigte mich mit der Auswahl eines würdigen Filmerlebnisses. Die Wahl fiel auf die neueste Disney-Marvel Produktion: Dr. Strange.

Ich war und bin ein großer Comic Fan. Und als Anfang der 2000er Jahre die ersten Verfilmungen von Spiderman und den X-Men auf der Leinwand auftauchten war ich durchaus begeistert. Aber im Laufe der Jahre habe ich für mich festgestellt, dass es sich das Blockbuster Hollywood sehr leicht macht. Die Comic-Adaptionen wirken inzwischen wie Fließbandproduktionen. Es ist für mich einfach nichts Besonderes mehr wenn Spiderman, Batman oder Iron Man in spektakulären Actionsequenzen inszeniert werden. Kombiniert mit der Modernen Unart der Remakes/Reboots wirkt das Mainstreamkino arg uninspiriert und austauschbar. Aber trotzdem fiel meine Wahl auf Dr. Strange? Nun ja der Magier von Marvel hat den Vorteil, dass ich wirklich kaum etwas von seiner Comicvorlage kenne und zusätzlich hatte ich auch große Erwartungen an die Spezial Effekte. Aus der psychedelischen Grundlage sollte doch einiges rauszuholen sein. Ich finde den aktuellen Comicmainstream zwar langweilig aber handwerklich sind diese Filme einwandfrei produziert. Bevor ich genauer auf den Film eingehe möchte ich noch ein paar warme Worte zum Cinemaxx verlieren.

 

Das Cinemaxx am Potsdamer Platz

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Persönlich habe ich ja den Eindruck, das Kino und Kinofilme auf dem absteigenden Ast sind. Aktuelle Filme sind schon kurze Zeit nach dem Kinostart auf Datenträger im Elektronikfachmarkt erhältlich bzw. lassen sich gleich durch Streaming im Heimkino betrachten. Und in meinem Standardkino im Treptower Park habe ich schon seit Jahren keinen vollen Saal mehr erlebt. Ganz anders das Cinemaxx am Potsdamer Platz. Vielleicht war es keine gute Idee an einem Samstag zur 17 Uhr Vorstellung zu gehen aber das verfluchte Teil war rammelvoll. Komplette Schulklassen aus der ganzen Bundesrepublik drängten sich in dem Vorraum. Es gab die Wahl zwischen wenigen personell besetzten Kassen und einer unbekannten Anzahl von Selbstbedienungsschaltern. Aufgrund meiner Gutscheine konten meine Freundin und ich nur das erstere beanspruchen. Und es ging gar nichts voran. Ich hatte das Gefühl, das jeder Besucher vor mir noch eine persönliche zehnminütige Beratung benötigte um in einen Film zu gelangen der gerade zur eigenen speziellen Lebenssituation passt. Na zum Glück gibt es ja vor jedem Film erst noch die halbe Stunde Werbung. Durch den Anstehmarathon haben wir uns das gespart. Obwohl wir weit vor dem Vorführungsbeginn vor Ort waren.

Oben erwähnte ich, dass ich Gutscheine für eine 2D-Vorstellung besaß. Tollerweise gab es den Film in 2D allerdings nur Dienstag um 19:45. Also nochmal Aufpreis für 3D. Diese Unart jeden Film in 3D zu zeigen obwohl es dafür keinen unterhaltungstechnischen Mehrwert gibt ist auch ein Grund warum mein Kinokonsum zurückgegangen ist.

Nach dem Anstehen an der Kinokasse folgte das Anstehen für Popcorn. Tatsächlich kann man das Popcorn erst erwerben wenn man durch die Eingangskontrolle gelangt ist. Wäre ja auch zu komfortabel wenn man Fressalien und Eintrittskarten durch Aufteilung der eigenen Gruppe gleichzeitig erwerben könnte. Ist eben wichtig dass auch wirklich nur die Besucher des Kinos in der Lage sind völlig überteuerte Nachos zu erwerben. Um dem Ansturm der hungrigen Besucher auch adäquat gerecht zu werden war natürlich nur eine Hälfte der Popcornausgabe besetzt. Noch dazu mit offensichtlichen Aushilfskräften, die weder wussten wo etwas war, noch was es genau kostet. Da hat man richtig das Gefühl, das ausgegebene Geld landet in den richtigen Taschen. Was für ein wunderbares Erlebnis.

 

Dr. Strange

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Endlich Im Kinosaal angekommen startete der Film unverzüglich.

Der namens gebende Hauptcharakter von Dr. Strange  wird von Benedict Cumberbatch gespielt. Der Dr. ist ein über alle Maßen von sich selbst überzeugter Neurochirurg. Herr Cumberbatch hat ja durchaus schon bewiesen, dass er diese Rolle gut rüber bringt und auch hier enttäuscht er nicht. Seine Optik passt ebenso gut zur Vorlage. Mads Mikkelsen übernimmt die Rolle des Antagonisten in der Form des Magiers Kaecilius. Seine schauspielerische Leistung ist in Ordnung. Allerdings wird dem Charakter keinerlei Möglichkeit gegeben sich ein interessantes Profil zu geben mit dem sich der Zuschauer identifizieren kann und so wirkt er arg beliebig. Tilda Swinton verkörperte „The Ancient One“. Im Gegensatz zum Antagonisten ist es ihre Rolle, welche es schafft wenigstens für einige Zeit den Antipol zu Cumberbatchs Dr. Strange darzustellen. Eine gute Schauspielerische Leistung. Ich bin eh Fan von ihr (tatsächlich auch einer der Gründe warum ich den Film sehen wollte). Die restlichen Schauspieler und Charaktere bleiben entweder blasse Randnotizen oder sind comic-relief.

Der Plot ist kurz erzählt (dicke Spoiler incoming). Der in seinem Fachgebiet überaus kompetente Dr. Strange überschätzt, aufgrund seine Arroganz, seine Fähigkeiten außerhalb des Operationssaales und baut mit seinem Lamborghini eine schweren Unfall bei dem seine Hände extrem stark verletzt werden. (Im Abspann gibt es einen kurzen Kommentar zu Sicherheit im Straßenverkehr. Ein Chirurg kann nicht viel machen ohne seine Hände und da der Doktor seinen Selbstwert aus seiner Arbeit zog fällt er in ein tiefes Loch (ich konnte zu dem Zeitpunkt wenig Mitleid mit ihm haben, da seine Situation doch rücksichtslos selbstverschuldet war). Er probiert alles um wieder der Alte zu werden und landet irgendwann in Katmandu, wo er auf „The Ancient One“ und andere Magier trifft. Nach kurzer Zeit wird er dort selbst zum Magier ausgebildet, da er ein erhebliches Potential zur Ausübung der mystischen Kräfte besitzt. Er selbst möchte zwar nur seine Hände heilen, gerät aber trotzdem in den Kampf zwischen der Magiergilde, welche die Erde vor Kräften aus anderen Dimensionen schützt und dem Abtrünnigen Kaecilius, der sich genau diesen Kräften verschrieben hat. Es kommt zu mehreren Kämpfen und am Ende kann Dr. Strange den Oberboss von Kaecilius, Dormammu aus der dunklen Dimension, durch einen cleveren magischen Trick zu einem Waffenstillstand zwingen. Da „The Ancient One“ im Laufe der Handlung getötet wurde übernimmt Dr. Strange am Ende persönlich die Aufgabe als Beschützer der Erde.

Die Spezialeffekte haben tatsächlich alles erfüllt, was ich von dem Film erwartet habe. Das Magiesetting in der die Magier ihre Kräfte aus unzähligen weiteren Dimensionen ziehen bildet eine wunderbare Grundlage für extreme Kreativität. Wir haben absolute Farb- und Formexplosionen, bei denen man unweigerlich an LSD-Trips denken muss. Eine zerstörte Stadt wird durch rückwärts laufende Zeit wieder aufgebaut während sich Protagonist und Antagonist in ihr bekämpfen. Die Dunkle Dimension sieht aus wie eine Ansicht von Mikroben unter dem Mikroskop kombiniert mit einer Schwarzlicht Minigolfanlage. In der Spiegeldimension wird das Konzept der festen Form komplett zu den Akten gelegt und der Effekt der sich faltenden Stadt aus „Inception“ mit dem Faktor 100 gesteigert. Ein wahres Fest.

Dr. Strange ist durchaus einen Kinobesuch Wert. Die Schauspielerische Leistung ist solide und der Plot ist in großen Teilen nichts Besonderes. Aber die Spezialeffekte machen hier den Unterschied. Kino existiert meiner Ansicht nach für den besonderen visuellen Moment. Und genau solche Momente werden hier geboten. Ich denke nicht, dass man den gleichen WOW-Effekt auf dem heimischen Fernseher so erleben wird (zumindest nicht bei meinem). Gut gemacht Disney-Marvel. Cinemaxx geht aber garnicht.

 

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