Die Reise des Highlanders #10: Flussreise

Kapitel 10

Die ersten Sonnenstrahlen krauchen über den Horizont und baden meinen schlammigen Schlafplatz in wohligem Glanz. Die Wärme dringt durch den Sumpf auch in meinen Amphibienkörper und ich spüre die Munterkeit in mir erstarken. Ich wühle mich aus dem Schlick und strecke meine Glieder. Offensichtlich bin ich immer noch eine Kröte. Eine Rückkehr nach Burgurd erscheint mir zu gefährlich. Stattdessen entscheide ich mich dafür den Fluss weiter zu bereisen und springe wieder ins Wasser. Ich schwimme zur Flussmitte und lasse mich mit der Strömung treiben. Ich kann nicht sagen, wie viel Zeit vergeht, aber die Sonne steht jetzt hoch am Himmel während ich gerade eine wacklige Holzbrücke passiere auf der zwei Personen stehen. Die beiden scheinen zu kämpfen.
Geht mich nichts an, denke ich und versuche die beiden zu ignorieren, als eine der beiden einen Treffer abbekommt und über das Brückengeländer fällt. Mit einem lauten Platschen landet eine Frau direkt an meiner Stelle im Fluss und drückt mich schmerzhaft unter Wasser. Benommen taumele ich durchs Flussbett und versuche ebenso wie die Frau zum Luftholen an die Oberfläche zu kommen.
Ich schaffe es und sauge gierig den Lebensquell der Welt in mich ein. Ich blicke zur Brücke, welche jetzt hinter mir liegt. Eine weitere Frau steht mit erhobenen, bläulich leuchtenden Händen in der Mitte und fixiert etwas rechts neben mir. Sie trägt eine eng anliegende schwarze Robe umrahmt von einem fransigen blauen Seidenumhang. Ihre Haut ist komplett weiss und ein roter Schimmer blinzelt um ihre Augen. Sie muss eine Vampirin sein. Ihr Blick gilt der Frau, mit der ich eben schon schmerzhaft Bekanntschaft geschlossen hatte. Sie steht jetzt knöcheltief am Flussrand im Wasser, bekleidet in einer kunstvoll gearbeiteten Fellweste und eines ledernen Lendenschurzes. Sie hat kurze rote Haare und ihr Gesicht wird von einer wellenförmigen Tätowierung verziert.

In ihren Händen führt sie einen meisterhaft gearbeiteten goldenen Speer zur Abwehr erhoben. Sie muss eine Amazone von den Timar-Inseln sein. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese beiden ebenso wie ich nach der Krone der Herrschaft suchen. Ein Blitz zuckt von der Brücke zur Amazone. Aber die zerstörerische Energie zeigt keine Wirkung und wird offensichtlich von dem Speer absorbiert, der jetzt von einem blauen Licht umspielt wird. Die Amazone streckt den Speer in die Höhe und unzählige kleine blaue Tropfen werden wie bei einer Fontäne in die Höhe geschleudert, um in einem großflächigen Kreis um die Amazone niederzugehen. Einer dieser Tropfen streift mein linkes Bein und ein höllischer Schmerz durchfährt mich.

Ich will hier nicht weiter verweilen und tauche hinab zum Flussgrund und lasse mich weiter mit der Strömung mitreißen. Erst als ich absolut keine Luftreserven mehr habe begebe ich mich wieder an die Oberfläche. Die Brücke muss inzwischen weit hinter mir liegen. Ich befinde mich jetzt in einem Wald. Mein linkes Bein fühlt sich weiterhin sehr taub an und lässt sich nur schwer bewegen. Ich schwimme zum Flussufer um mich auszuruhen. Während ich in einer kleinen sandigen Bucht liege, werde ich plötzlich von Krämpfen geschüttelt. Höllische Schmerzen noch stärker als bei dem blauen Lichttropfen durchfahren meinen ganzen Körper und ich verliere das Bewusstsein.

Als ich erwache, scheint es schon mitten in der Nacht zu sein. Der Mond ist am Firmament zwischen den Sternen zu sehen. Bis auf mein linkes Bein habe ich auch keine Schmerzen mehr. Und ich fühle mich insgesamt anders an. Ein Blick auf meine Hände lässt mich euphorisch aufschreien. Hände statt Flossen. Ich bin wieder ein Mensch.

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