Die Reise des Highlanders #11: Nachts allein im Wald

Kapitel 11

In meiner Euphorie dem Krötenfluch entkommen zu sein lasse ich mich spontan zu einem kleinen Tänzchen hinreißen. Es ist ein seltsamer Kontrast. Auf der einen Seite der Wald in seiner nächtlichen Stille und im Gegensatz dazu ein großer, jubelnder, nackter Mann, dessen stampfende Füße das Wasser in der kleinen Bucht aufwirbeln. Ich gönne der Euphorie einige Minuten ihren Raum. Aber meine Situation ist weiterhin weit entfernt von einem idealen Zustand. Ich habe keine Ausrüstung und ebenso keine Ahnung, wo ich bin. Ich laufe nicht Gefahr zu erfrieren, aber die Nacht kann man ebenso wenig als warm bezeichnen. Zum Glück spendet der Mond genug Licht zur Orientierung. Ich durchsuche das Flussufer nach nützlichen Materialien.
Ich finde einen handlichen Stein mit einer scharfen Kante, welche sich möglicherweise als Werkzeug nutzen lassen wird. Aufgrund mangelnder Orientierungspunkte entschließe ich mich, dem Flussverlauf so gut es geht weiter zu folgen. Wälder wie dieser sind zumeist von gefährlichen Raubtieren beheimatet und ich benötige irgendeine Art von Verteidigung. Während meines Weges begutachte ich die Bäume, um einen passenden Kandidaten zur Herstellung eines primitiven Speeres zu finden. Ich entdecke einen jungen Baum, welcher einen Kopf größer ist als ich und sehr gut in meinen Plan zu passen scheint. Mit dem scharfen Stein trenne ich die Äste vom Schaft.

Ich schneide den Baum kurz über der Erde ab und setze mich auf einen nahen Stein um die Spitze zu schnitzen. Der fertige Speer ist nicht schön anzusehen, aber er gibt mir ein wenig das Gefühl von Sicherheit. Mit einem Feuer könnte ich die Spitze des Speeres backen um sie härter zu machen aber ich habe bisher keine Materialien entdeckt, mit denen ich eines erzeugen könnte. Apropos Feuer. Ist das nicht ein Lichtschein hinten im Wald auf der anderen Flussseite? Ich entscheide mich dem nachzugehen und durchschwimme den Strom mit meinem Speer in der Hand. Vorsichtig, bedacht möglichst keine Geräusche zu erzeugen, schleiche ich mich zur Stelle des Lichtes.

Es ist tatsächlich ein kleines Lagerfeuer. Um das Feuer sitzen Drei Männer gekleidet in Pumphosen, Rüschenhemden, abgenutzten Lederstiefeln und grünbraunen Umhängen inklusive Gugel. Neben jedem liegt ein lederner Waffengurt bestückt mit einem schlichten Kurzschwert. Die Drei sind zumindest optisch das Paradebeispiel für gesetzlose Banditen und Straßenräuber. Ich überlege meine weitere Vorgehensweise und betrachte das Räuberlager. In der Deckung einer großen Eiche sind 4 simple Einmannzelte aufgestellt? Vier? Es muss noch einen weiteren Räuber geben folgere ich und bin gerade dabei den Rückzug anzutreten, als eine kalte metallene Spitze meinen Rücken berührt.

„Schön ruhig mein nackter Freund. Es wäre doch schade eine solch geruhsame Nacht mit dem Geröchel eines Sterbenden zu ruinieren.“ Erklingt eine tiefe Stimme hinter mir. Ich lasse den Speer fallen und hebe beide Hände in die Höhe, während ich mich sehr langsam umdrehe. Vor mir steht ein Mann, der ebenso gekleidet ist wie die Drei am Feuer. Sein Kurzschwert, welches auf mich gerichtet bleibt, ist allerdings von deutlich besserer Handwerkskunst. Möglicherweise ist er sogar der Anführer der kleinen Bande. „Du schleichst ja wie ein Puma. Ohne jegliches Geräusch. Reiner Zufall, dass ich dich hier gesehen habe, als ich vom Wasserlassen zurückkam.“ Spricht der Räuber, während er mich mustert. Sein Gesicht zeigt leichte Anzeichen von Ratlosigkeit ob meiner Gestalt. „Ok Freund. Wir gehen jetzt rüber zum Feuer und du wirst uns eine schöne Gute Nacht-Geschichte erzählen. Und dann überlegen wir, was wir mit dir machen.“

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