Die Reise des Highlanders #12: Familie Kaunas

Kapitel 12

Der Räuber führt mich hinüber zu seinen Kameraden am Lagerfeuer, welche mit grimmigem Blick mustere. Ich spüre die wohlige Wärme der Flammen auf meiner Haut. „Willkommen bei den Kaunas-Brüdern“, erklärt der Mann, der mich im Wald aufgefunden hatte. „Setzt euch“, sagt er und verleiht seiner Aufforderung durch eine Bewegung seiner Klinge einen Nachdruck, dem ich gern entgegenkomme. Der augenscheinliche Anführer gesellt sich jetzt zu den anderen Drei und nimmt auf einem Baumstumpf, direkt gegenüber von mir hinter dem Feuer, platz.“ Das sind Dalius, Arus, Matas und ich reagiere zumeist, aber nicht immer, auf den Namen Vilius.“, erklärt er, während er mich aufgeweckt mit scharfen Augen im Blick hält. Ich mustere die Vier leicht angespannt.

Dalius links von mir scheint schon wieder das Interesse verloren zu haben und starrt stur in das Feuer. Er scheint größer zu sein als ich, was durchaus beeindruckend ist, da die Stämme aus Pergutar für ihren Körperbau weithin bekannt sind. Neben ihm sitzt Vilius. Sein Schwert ruht in seinem Schoss und er wirkt so gleichermaßen entspannt und aufmerksam, wie es nur jemand vermitteln kann, der schon viele gefährliche Situationen im Leben erfolgreich gemeistert hat. Arus neben ihm erscheint mir weit weniger entspannt zu sein. Er sieht jünger aus als die anderen und hält seine Waffe fest umklammert. Seine Augen fixieren mich mit leichter Unsicherheit im Blick. Matas rechts neben mir beäugt mich ebenso skeptisch. Beziehungsweise einen bestimmten Teil von mir.

„Was issn mit deinem Bein?“, fragt er mich. „Sieht bissl aus wie Schweinebraten“. Ich gucke an mir herunter und bemerke, dass er irgendwie Recht hat. Seit den Erlebnissen an der Brücke spürte ich zwar einen kontinuierlichen Schmerz an meinem linken Unterschenkel, aber bisher war es zu dunkel um die Stelle genauer zu betrachten. Die Haut wirkt schwarz und verkohlt. Es sieht eindeutig schmerzvoller aus, als es sich anfühlt. Aber mit den Auswirkungen von Magie muss man immer vorsichtig sein. Das habe ich in der letzten Zeit ja öfter erleben müssen.

„Das ist ein Souvenir vom Baden“, antworte ich trocken. Matas rollt mit den Augen und beugt sich zu mir vor. Er schnuppert an meinem Bein und verzieht für mich undeutbar sein Gesicht. „Scheint von einem magischen Blitz zu stammen“, erklärt er in Richtung Vilius.

Vilius nickt leicht und wendet sich an Arus. „Hol mal das Birguskraut und eine Rolle Mull.“ Arus scheint nicht begeistert, gehorcht aber. Dalius interessiert sich für nichts außer dem Feuer. „Nun denn Fremder. Ich erinnere mich vage, dass du mir eine Geschichte versprochen hattest.“ In Vilius Stimme schwingt eine verborgene Drohung mit, der er wieder mit einer spielerischen Geste seines Schwertes Gewicht verleiht. Die vier Räuber scheinen mir kein barbarischer Haufen zu sein und so fällt die Entscheidung zugunsten einer wahrheitsgemäßen Erzählung meiner Reise seit Burgurd. Während meines Berichtes kommt Arus von den Zelten zurück und behandelt mein Bein mit dem Birguskraut.

Ebenso legt er mir einen gekonnten Verband an. Dies sind wirklich keine typischen Waldräuber. Zu viel Wissen und Bildung steckt in ihnen. Als ich meine Geschichte beende, hat Vilius sein Schwert schon längst locker neben sich auf den Boden gelegt. Er ist wohl zu dem Schluss gekommen, dass von mir keine Gefahr für ihn und seine Brüder ausgeht. Auch Arus wirkt entspannter. Dalius starrt eh nur ins Feuer. Und Matas wirkt ein wenig froh über die Abwechslung, die meine Anwesenheit bedeutet.

„Vielen Dank für diesen netten Abriss, Alister.“ Vilius klatscht zweimal leicht in die Hände.

„Vielen Dank für diesen netten Abriss Alister.“ Vilius klatscht zweimal leicht in die Hände. „Es scheint ihr erlebt turbulente Zeiten. Aber man muss sich auch fast Fragen, bei wem das nicht so ist.“ Er blickt kurz nachdenklich in den Himmel. „Auch unsere Situation ist nicht rein selbstbestimmt. Wir mögen auf dich wirken wie Räuber. Und tatsächlich verdingen wir uns momentan als solche. Aber ursprünglich besaß unsere Familie ein Lehensgut im Westen dieses Waldes. Zugehörig zum Kardinalsbezirk Samogitis unter der Kontrolle von Kardinal Belmont.“ Er blickt auf den Boden und eine kurze Pause entsteht. Seine Hände sind jetzt leicht geballt und auch die Minen seiner Brüder haben sich bei dem Namen verfinstert. „Belmont ist kein Samogit. Und seine Methoden haben auch nichts Heiliges an sich. Er schröpft das Land und lebt selber in größtem Luxus. Unsere Familie versuchte sich zu wehren.“ Die Brüder blicken jetzt betrübt zu Boden. Selbst Dalius. „Das Ergebnis siehst du vor dir. Unser Gut wurde niedergebrannt und der Rest unserer Familie ist Tod. Wir Vier flohen in den Wald. Seitdem versuchen wir dem Kardinal und seinen Leuten Nadelstiche zu versetzen, damit sie niemals ruhig schlafen können.“

Eine Zeit lang sagt niemand etwas. Vilius vollführt eine Geste in Richtung Arus, der mit einem kurzen Nicken aufsteht und wieder zu den Zelten geht. Er öffnet eine Truhe, die halb eingegraben am Stamm der Eiche steht, und kramt darin herum.

Matas wendet sich mir zu „Was Habt ihr jetzt vor Alister“ Ich überlege kurz. „Ich möchte weiterhin zum Hochland von Gelios. Solang ihr mir erlaubt diesen Ort wieder zu verlassen.“ Matas lächelt und hält mir ein gebratenes Stück Wildfleisch entgegen, welches ich dankend annehme.

Vilius lächelt ebenso „Seid unbesorgt Alister. Ihr seid nicht unser Feind und in unserer Familie galt es stets als Tradition Menschen in Not zu helfen.“ Arus tritt jetzt wieder ans Feuer. In den Händen hält er einige Kleidungstücke. „Wir können nicht zulassen, dass Ihr eure Reise in diesem ungebührlichen Aufzug fortsetzt. Bei den Überfällen auf die Kardinalsschergen haben wir einige Leinenwaren erbeutet. Sucht euch davon etwas aus.“ Ich bedanke mich und durchsuche den kleinen Haufen. Eine braune Robe eines niederen Priesters passt mir am besten.

„Ihr solltet die Nacht heute hier verbringen und euch ausruhen“, erklärt Vilius und bietet mir mit einer ausladenden Handbewegung eines der Zelte an. Ich nehme dankend an. „Dalius übernimmt die erste Feuerwache“, erklärt Matas, bevor wir uns zur Ruhe legen. Von meinem verbundenen Bein geht ein angenehmes Gefühl der Wärme aus und ich schlafe sofort ein.

 

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